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Zauberkräfte

Wäre es nicht herrlich, wenn es manchmal echte Magie gäbe? So richtig glitzernde Zauberkraft, die uns hilft, die Herausforderungen des Alltags mit einem Fingerschnipsen zu meistern? Viele hochbegabte Kinder sehnen sich nach genau so einer Magie. Doch ihre tatsächliche Stärke liegt oft nicht offensichtlich vor ihnen. Sie spüren zwar, dass sie anders sind, aber dieses Anderssein kann verunsichern. Genau an diesem Punkt setzt ein wunderschönes Bilderbuch an, das Mut macht, die eigene innere Zauberkraft zu entdecken.

 

Das Einhorn Oktober (siehe Quellen) wächst in einem Zauberwald auf. Dort gibt es die feste Erwartung, dass Einhörner an ihrem ersten Geburtstag ihre magischen Kräfte entfalten. Alle um ihn herum scheinen zu wissen, was passieren soll. Nur bei ihm schweigt die Magie. Kein Glitzern in der Luft. Kein Strahlen im Schweif. Nicht einmal ein winziger Regenbogenpups.

Oktober beginnt zu zweifeln. Vielleicht bin ich gar nicht magisch. Vielleicht fehlt mir etwas. Diese Gedanken kennen viele hochbegabte Kinder. Häufig hören sie von aussen, wie talentiert sie seien. Gleichzeitig erleben sie Situationen, in denen sich ihre Fähigkeiten nicht so zeigen, wie es alle erwarten. Dann fühlt sich Anderssein plötzlich schwer statt besonders an.

Mutig macht sich Oktober auf die Suche nach seiner vermeintlich fehlenden Zauberkraft. Er probiert Neues aus. Er beobachtet andere. Er vergleicht sich und scheitert. Doch genau darin liegt ein wichtiger Lernmoment: Stärken offenbaren sich selten unter Druck. Sie zeigen sich in Begegnungen. Im Tun. Im Miteinander.

Mit seinem Einhörnchenfreund an seiner Seite erkennt Oktober schrittweise, dass Magie nicht nur spektakuläre Effekte bedeutet. Seine wahre Kraft liegt in seiner Art zu sein. Er tröstet. Er lacht mit anderen. Er hilft mutig, selbst wenn er sich klein fühlt. Seine Stärke ist seine Freundlichkeit, und die wirkt mächtiger als jeder Zauberspruch.

Diese Botschaft ist ein Geschenk. Für hochbegabte Kinder bedeutet sie: Du musst dich nicht beweisen, um wertvoll zu sein. Deine Gabe ist mehr als das, was man messen oder vorzeigen kann. Sie entsteht aus deiner Persönlichkeit, deinen Interessen und deiner Begeisterung. Stärken wachsen, wenn Kinder Raum bekommen, sich zu entdecken. Nicht wenn sie Erwartungen erfüllen müssen.

 

Oktober erinnert uns daran, dass persönliche Stärken nicht immer laut sind. Sie blinken nicht zwingend im Rampenlicht. Manchmal wirken sie leise und liebevoll und dennoch verändern sie die Welt.

Wir Erwachsenen dürfen Kinder darin begleiten, ihre Stärken nicht nur im Kopf zu suchen, sondern im Alltag zu erleben. Wir können beobachten, worüber sie strahlen. Was sie begeistert anpacken. Wobei sie Zeit und Raum vergessen. Und wir dürfen jene Eigenschaften sichtbar machen, die sonst im Schatten stehen.

Vielleicht stellen wir uns heute gemeinsam folgende Fragen:

Bei welcher Tätigkeit beginnen die Kinderaugen zu leuchten? Wo fängt es Feuer?

Wo spüren andere seine Wirkung?

Stärken sind die inneren Funken, die ein Leben lang leuchten können. Wenn Kinder lernen, sie zu erkennen und zu würdigen, entsteht echte Magie. Nicht plötzlich und nicht auf Kommando. Sondern jeden Tag ein kleines bisschen mehr.

 

Ich wünsche dir eine zauberhafte Zeit.

 

 

Verwendete Quellen:

www.exlibris.ch

Ein Einhorn namens Oktober / ISBN 978-3-8458-6513-3

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